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Tag 294: Randale am PvH

Name 020627/13/Flasche 1 Fußball/Polizei/Randale.Der Nachmittag beginnt harmlos. Nach dem Schlusspfiff im WM-Halbfinale Deutschland gegen Südkorea im Jahr 2002 strömen die Menschen aus den Kneipen zum PvH. An den Ampeln warten sie friedlich auf Grün. Bierselig fallen viele Fußballfreunde den Polizisten um den Hals. Einsatzleiter Günter Ollech geht umher, scherzt mit den Feiernden.

Auf die Straße geht zunächst niemand, einzelne Aufrufe dazu verhallen ungehört. Lieber klatschen sich die Fans mit den Insassen der Autos ab, die hupend vorbeirasen. Bier fließt in Strömen. Manchem wächst dabei der Mut. 45 Minuten nach dem Abpfiff wagt sich doch eine Gruppe auf die Kreuzung.

Bald singen und tanzen mehr als 100 Fans auf der Straße. Immer mehr Flaschen zerplatzen auf dem Asphalt, doch die Stimmung bleibt fröhlich. Einsatzleiter Ollech lässt die Wollenweberstraße sperren, leitet den Verkehr über die Goslarsche Straße um.

Zunächst versucht die Polizei, die Kreuzung mit freundlichen Worten wieder freizubekommen. Doch bald geben die Beamten auf, lassen die Fans gewähren. Eine Stunde lang. Dann kommt die Kehrmaschine der Stadt. Langsam schieben die Beamten die Menge in Richtung PvH. Dann gibt Ollech die Straße für den Verkehr frei. Doch binnen Sekunden ist die Kreuzung wieder voll. Gegen 17.30 Uhr reicht es den Beamten. Sie schieben die Fans jetzt rabiater von der Straße. Einer wehrt sich, landet im Polizeiwagen. Ein zweiter schlägt um sich, vier Beamte bändigen ihn mühsam. Irgendwo aus der Menge fliegt eine Flasche, trifft Polizeikommissar Markus G. knapp über dem rechten Auge. Die Wunde wird im Bernward-Krankenhaus genäht, der 34-Jährige kann es aber noch am Abend verlassen. Die Polizei geht davon aus, den Werfer durch Zeugenaussagen zu ermitteln.

Am PvH eskaliert indes die Stimmung. Die Beamten nehmen weitere Randalierer fest. Gegen fünf wird Anzeige wegen Gefährdung des Straßenverkehrs erstattet. „Mörder“ und „Bullenschweine“ rufen viele vom PvH aus den Polizisten zu. Aus allen Richtungen fliegen Flaschen, Gläser und Dosen auf die Kreuzung.

Das Ausrasten der Fans erklärt sich die Polizei damals vor allem mit dem Alkoholkonsum. Auch nach dem Finale hatte es später Randale gegeben. Im Nachhinein analysiert die Polizei die Eskalation als gezielte Stimmungsmache zweier Gruppen. Bei diesen „Teilgruppen“ soll es sich einerseits um etwa 20 Hildesheimer Hooligans handeln, von denen mehrere der Polizei namentlich bekannt sind. Dazu kamen mehr als 30 sogenannte Fußball-Skinheads, fünf davon Mitglieder der örtlichen rechtsradikalen Szene. Diesen beiden Gruppen schreibt die Polizei maßgebliche Bedeutung beim „Anheizen“ der Stimmung zu.

Foto: Hartmann


Tag 294: Randale am PvH

Der Nachmittag beginnt harmlos. Nach dem Schlusspfiff im WM-Halbfinale Deutschland gegen...
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