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Tag 209: „Rambo Duck“ hält Hildesheim in Atem

Monatelang hatte Horst S. die Polizei und Staatsanwaltschaft bereits mit Schmähschriften und Nonsens-Briefen beschäftigt. Im Oktober 1998 ließ es der damals 53-jährige Hildesheimer nicht mehr allein bei schriftlichen Verunglimpfungen: Der Frührentner legte eine Bombenattrappe vor das Justizgebäude. 200 Menschen mussten darauf den Hochhaus-Trakt verlassen.

Gegen 7.45 Uhr entdeckte ein Wachtmeister an jenem Mittwochmorgen neben dem Briefkasten von Landgericht und Staatsanwaltschaft einen olivgrünen Metallkasten. Kein Absender, nur ein Aufkleber. Der Sticker zeigt Donald Duck mit einem Maschinengewehr im Anschlag. Die Aufschrift lautet: „Rambo Duck“. Auf dem Behälter klebt zudem eine großkalibrige Patrone.

Das Justizhochhaus an der Kaiserstraße verwandelte sich in einen Hochsicherheitstrakt. Polizeibeamte lassen niemanden mehr in das Gebäude hinein.

Das Justizhochhaus an der Kaiserstraße verwandelte sich in einen Hochsicherheitstrakt. Polizeibeamte lassen niemanden mehr in das Gebäude hinein. Fotos: Gossmann

Er bringt den Fund in den 7. Stock zur Geschäftsstelle der Staatsanwaltschaft. Dort wird man skeptisch: Handelt es sich bei der Kiste womöglich um eine Bombe? Die alarmierte Polizei bestätigt den Verdacht. Weil auch der aus Hannover angeforderte Sprengstoffspürhund anschlägt, informiert die Polizei das Landeskriminalamt: Die Bombenexperten, sogenannte Delaborierer, sollen die mysteriöse Kiste untersuchen.

Landgerichtspräsident Hans-Georg Salge läßt das Hochhaus und die angrenzenden Sitzungssäle vorsichtshalber räumen. Um 10 Uhr verlassen rund 200 Menschen den gefährdeten Komplex. Der Westflügel wird zum Hochsicherheitstrakt, Polizeibeamte lassen niemanden mehr hinein.

Gegen Mittag trifft das Bombenräumkommando in Hildesheim ein. Wegen eines weiteren Einsatzes in Nordniedersachsen hat sich die Ankunft der drei Männer aus Hannover verspätet. Mit einem mobilen Röntgengerät untersuchen die Spezialisten die 35 Zentimeter lange und 20 Zentimeter hohe Kiste.

Kurze Zeit später die Entwarnung. Auf dem Röntgenbild ist weder Sprengstoff noch ein Zünder zu sehen. Der Behälter – ein NATO-Patronengurtkasten für Maschinengewehre vom Typ G 3 – kann geöffnet werden. Ein Wecker, eine Taschenlampe, ein Taschenmesser, ein Fahrradschloß und ein paar Schlüssel kommen zum Vorschein.

Die Arbeit der Bombenexperten ist getan. Polizeibeamte stellen den Inhalt der Kiste sicher: Einen Wecker, eine Taschenlampe, ein Taschenmesser, ein Fahrradschloß und ein paar Schlüssel.

Die Arbeit der Bombenexperten ist getan. Polizeibeamte stellen den Inhalt der Kiste sicher: Einen Wecker, eine Taschenlampe, ein Taschenmesser, ein Fahrradschloß und ein paar Schlüssel.

Erleichterung bei Landgerichtspräsident Hans-Georg Salge: „Es kann wieder los gehen“, ruft er seinen Mitarbeitern um 13.30 Uhr zu. Die können nach einer dreieinhalbstündigen Zwangspause wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Zu dieser Zeit wird der mutmaßliche Täter bereits im Polizeipräsidium vernommen. Weil er seine Schmähschriften bisher mit korrektem Absender versehen hatte, kam die Polizei schnell auf die Spur von Horst S..

Der 53jährige war sofort geständig, konnte die Beamten haarklein über den Inhalt der Kiste informieren. Von einer Bedrohung wollte er allerdings nichts wissen. Beim Verhör bezeichnete Horst S. die Bombenattrappe als ein Geschenk und ein Kunstwerk für die Justiz, an dem er ein Jahr lang gearbeitet habe.

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