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Tag 223: Mord am Wasserparadies

Im Februar 2008 sorgt ein Mord in der Stadt für Aufsehen. Vor dem Wasserparadies wird Eduard S. erschossen. Bis heute ist der Fall nicht endgültig geklärt. Dabei hat die Polizei einen konkreten Verdacht, der zu drei Brüdern führt. Für einen Haftbefehl reicht es aber nicht.

Eduard S. lebt mit seiner Mutter in Salzgitter. Der ehemalige VW-Arbeiter hat zwar keinen Job, dafür aber laut Polizei „vielfältige Geschäftsbeziehungen“. Eine davon zu den drei Brüdern, mit denen er in seiner Heimat Kasachstan offenbar ins Baugeschäft einsteigen wollte. Ein Komplex aus Gewerbeeinheiten und 160 Wohnungen soll entstehen. Es geht um hohe zweistellige Millionenbeträge in US-Dollar.

Die Geschäftspartner liegen schon länger im Clinch. Das legen Unterlagen nahe, die die Beamten nach dem Tod von Eduard S. in seinem Auto finden. Es handelt sich um einen offenen Brief an Wladimir Putin, der in einem Moskauer Magazin abgedruckt wurde. Darin legt er dem russischen Präsidenten seine Situation dar: Seine Firmenpartner hätten ihn und seine Familie bedroht. Ein beauftragter Schläger habe ihm den Arm gebrochen und davon gesprochen, ihm nächstes Mal den Schädel einzuschlagen, falls er nicht seine Anteile überschreibt. Außerdem sei ihm sein Auto angezündet worden. In dem Brief nennt er immer wieder den Namen eines der drei Brüder. Kurz darauf folgt die Antwort in einer anderen Zeitung. Der namentlich genannte Geschäftspartner beschuldigt nun wiederum Eduard S. des Betruges.

Staatsanwaltschaft und Polizei gehen anhand ihrer Ermittlungsergebnisse davon aus, dass der Streit nach der öffentlichen Auseinandersetzung auf anderen Wegen weitergelaufen ist. S. kämpfte um seine wirtschaftliche Existenz, auch soll ihm mit Konsequenzen gedroht worden sein, gebe er belastende Informationen über die Brüder weiter. Wenige Tage vor seinem Tod fährt er nach Kaliningrad. Dort soll er einen der drei Männer treffen, aber die Verabredung platzt. S. reist zurück nach Salzgitter.

Die Ermittler sind bei der Verfolgung der Russland-Spur auf den guten Willen der ausländischen Kollegen angewiesen. Es besteht keine Auskunftspflicht. Auch die drei in Moskau lebenden Brüder können nicht zur Vernehmung gezwungen werden. Einer lässt über seinen Anwalt in Hannover mitteilen, dass er mit dem Mord nichts zu tun habe und selbst ein Opfer des Mannes aus Salzgitter sei. Die beiden anderen Brüder belassen es bei der Ankündigung, nach Deutschland zu kommen. Irgendwann bekommen die Hildesheimer Beamten das Angebot, die Männer im Deutschen Generalkonsulat in Kaliningrad zu vernehmen. Sie lehnen ab.  „Was immer wir da erfahren hätten, wir hätten es nicht verwerten können“, sagt Oberstaatsanwalt Bernd Seemann: „Deutsche Beamte können im deutschen Konsulat nur deutsche Verdächtige vernehmen.“

Trotz ausführlicher Ermittlungen reicht es am Ende nicht für einen sogenannten dringenden Tatverdacht und damit auch nicht für einen Haftbefehl. „Bei der Art und der Vielzahl von Geschäftskontakten des Opfers können wir auch nicht sicher ausschließen, dass jemand ganz anderes hinter dem Verbrechen steckt“, sagt Seemann.

Am Abend vor seinem Tod soll Eduard S. noch mit einem der Geschäftspartner telefoniert haben. Seine Mutter bekam mit, wie sie sich stritten. Es wurde gedroht und geschimpft, am Ende liefen ihrem Sohn die Tränen.


Tag 223: Mord am Wasserparadies

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