next page next page close

TitelseiteTag 198: Als Hildesheim das „Nürnberg des Nordens“ war

Dieser Hildesheim-Führer aus dem Jahr 1921 nimmt seine Betrachter mit auf eine Reise in die Vergangenheit. In eine Zeit, als am Bahnhof noch Fuhrwerke auf Kunden warteten und nebenan die Straßenbahn verkehrte. Auf 200 Seiten schildert Emil Beyer, ein Professor der damaligen Baugewerkeschule, wieso sich ein Besuch in Hildesheim lohnt.

Dass die Stadt für Touristen viel zu bieten hat, war dem Verlag Gebrüder Gerstenberg bereits sechs Jahrzehnte zuvor aufgefallen: 1866 hatte das Unternehmen den ersten Stadt-Führer herausgegeben. Denn damals rüstete sich die Stadt für die „Allgemeine Deutsche Lehrerversammlung“. Der Stadtführer sollte den Teilnehmern eine Orientierungshilfe und bleibende Erinnerung sein. Doch der Preußisch-Österreichische Krieg kam dazwischen, der Kongress wurde verschoben. Der Hildesheim-Führer erschien trotzdem – und leitete eine Erfolgsgeschichte ein.

So warben 1921 vier Restaurants im Stadt-Führer um Kundschaft.

So warben 1921 vier Restaurants im Stadt-Führer um Kundschaft.

Das Heft aus der Feder von Andreanum-Lehrer Otto Fischer erwies sich als Verkaufsschlager. Auf 77 Seiten rührte Fischer die Werbetrommel für das „Nürnberg des Nordens“, wie er mit Blick auf die Fachwerkbauten schwärmte, stellte die hervorragendsten Momente der Geschichte der Stadt dar. Und widmete sich sogar der Persönlichkeit des Hildesheimers an sich: Der sei „eines hitzigen, heftigen, zu kühnen Thaten inclinierenden Naturells“, warnte Fischer die auswärtigen Besucher. Es sei wohl „gewiss, dass die meisten Einwohner temperamenti-cholerico-sanguinei, die wenigsten aber temperamenti-cholerico-melancholico sind“.

Die erste Auflage war schnell vergriffen, bis 1930 ließ das Haus Gerstenberg zehn weitere folgen. Jene Auflage, die unser Foto hier zeigt, stammt aus dem Jahr 1921. Sie ist die vorletzte der Reihe und gilt mit der elften Auflage neun Jahre später als besonders gelungen.

 


thumbnail article post