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Tag 162: Die WM-Posse um das Friedrich-Ebert-Stadion

Am 7. Juni 2003 berichtete die Hildesheimer Allgemeine Zeitung zum ersten Mal von der Idee: Hildesheim soll im Jahr 2006 Trainingsort für einen Fußball-WM-Teilnehmer werden. Nationalspieler und Trainerstab einer WM-Nation sollten in einem Hotel in der Stadt untergebracht werden und im  Sportpark des VfV 06 Borussia Hildesheim trainieren. Der guten Idee folgten zweieinhalb Jahre voller Pleiten, Pech und Pannen.

Im Jahr 2006 sollten hier eigentlich Fußball-Nationalspieler trainieren, doch die Bedingungen rund um das Friedrich-Ebert-Stadion genügten den Ansprüchen nicht.

Im Jahr 2006 sollten hier eigentlich Fußball-Nationalspieler trainieren, doch die Bedingungen rund um das Friedrich-Ebert-Stadion genügten den Ansprüchen nicht.

Im Juli 2003 war die Bewerbung an die FIFA offiziell abgeschickt und die Verantwortlichen gaben sich optimisch – vor allem mit der Nähe zum WM-Stadion in Hannover könne man punkten, hieß es. Zwei Monate später besichtigte Katja Schüssler im Auftrag des DFB die Stadt und die Trainingsplätze in Hildesheim. Die Stadt hatte die erste Hürde genommen und war unter den 200 engeren Bewerbern.

Das Hauptproblem war den Verantwortlichen bereits damals bekannt: Die Stadt, ihr Ambiente, Kultur, Hotels und Verkehrsnetz sind durchaus WM-tauglich, ganz im Gegensatz zum Sportpark. Dort hätte man nachbessern müssen. Bis ins Jahr 2005 tat sich jedoch entgegen aller Beteuerungen: nichts.

Dann keimt wieder Hoffnung auf: Im Juni 2005 kommt Bruno Martini, einer von zwei Co-Trainern der französischen Nationalmannschaft. Doch  Hildesheim ist nicht wirklich vorbereitet. Als Dolmetscher muss Antoine Mbassa-Kone einspringen. Der Kameruner spielt Fußball beim VfV 06, die Vorzüge der Stadt kann er allerdings nicht an den Mann bringen – wie auch? An den Umkleidekabinen wird Martini flugs vorbeigelotst. Stattdessen zeigt ihm VfV-Marketingchef Theodor Schönefeldt Entwürfe eines geplanten Neubaus mit modernen Kabinen, Tagungsräumen und Sonnenterasse mit Blick ins Stadion. Frankreich bezog sein WM-Quartier in Aerzen, in der Nähe von Hameln.

Beim Besuch des französischen Co-Trainers Bruno Martini musste XXX als Dolmetscher einspringen.

Beim Besuch des französischen Co-Trainers Bruno Martini musste Antoine Mbassa-Kone als Dolmetscher einspringen.

Im September wird dann ein neuer Plan aus dem Hut gezaubert: Ein neues Funktionsgebäude auf dem Gelände des Friedrich-Ebert-Stadions soll die Bewerbung retten. Nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister will Kurt Machens im Oktober 2005 die Finanzierung des „sachgerechten Baus“ schnell sichern, auch damit die Nationalmannschaft von Ägypten in Hildesheim Quartier nimmt. Ägypten qualifizierte sich nicht für die WM.

Später stellte sich auch heraus, dass das Funktionsgebäude gar nicht für die WM gedacht ist, sondern im Rahmen einer Neuordnung der Sportflächen ein Bonbon für den VfV Borussia 06 sein soll. Es herrscht Uneinigkeit  im Rat und in den Ausschüssen sowie im Vorstand des Kreissportbundes.

Ernüchterung auch im Dezember 2005: Bei der Auslosung der WM-Gruppen wurde Australien, die man nun nach Hildesheim locken wollte, in den Süden gelost. Sie bezogen ihr WM-Quartier in Zweiflingen, im Nordosten Baden-Württembergs.

Immerhin: Die Angolaner kommen nach der WM-Auslosung zu Besuch nach Hildesheim – und entscheiden sich für Celle.


Tag 162: Die WM-Posse um das Friedrich-Ebert-Stadion

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