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Tag 224: Die verpackte Aktivistin

Im August 2009 trauten einige der Touristen auf dem Marktplatz ihren Augen kaum. Vor ihnen steht die 23-jährige Sabine. Sie trägt einen hautfarbenen Bikini, lässt sich mit Kunstblut beschmieren, legt sich in eine menschengroße Fleisch-Schale, wird mit Plastikfolie eingesiegelt und bekommt ein Werbe-Schild „Fleisch“ auf den Bauch. Da liegt sie nun 45 Minuten lang, hat die Augen geschlossen und bewegt sich nicht.

Doch warum tut sie das? „Ich bin seit sieben Jahren Vegetarierin, seit drei Jahren Veganerin“, sagt sie. Und seit einigen Wochen Praktikantin bei der Tierrechts-Organisation „Peta“. Die protestierte mit Sabines Aktion auf dem Marktplatz nicht nur gegen Tierquälerei, sondern generell dagegen, Bockwurst, Steaks und halbe Hähnchen zu essen. Sabine und ihre Kollegin Laura aus dem britischen Liverpool wollen provozieren, bewusst die Menschen schockieren. Und wie fühlt sie sich dabei? Sabine: „Man fühlt sich begafft wie ein Stück Fleisch im Kühlregal. Und wird nicht mehr als Mensch wahrgenommen.“

Die Aufmerksamkeit der Menschen auf dem Marktplatz ist den beiden Frauen gewiss? „Ein guter Gedanke, die Menschen aufzuwecken“, sagt Juliane Sgouros, die aber ihre eigenen Essgewohnheiten nicht ändern würde. „Ich finde das gut. Schockiert hat mich die Aktion nicht, weil ich es nicht gut finde, wenn Tiere getötet werden“, meint die damals 12-jährige Laureen. „Eine eindrucksvolle Aktion“, findet Larissa Wehrmann, eine frühere Vegetarierin. „Ein bisschen sensationslüstern“, meint Esther Sayn. Solche Aktionen werden sie selbst nicht zur Vegetarierin machen, fügt sie hinzu. „Peta“-Vertreter verteilen in der Zwischenzeit sogenannte Starter-Kits, in denen die Schicksale eingesperrter und gequälter Schweine, Kühe und Hühner sowie die Auswirkungen geschildert werden, die Fisch und Schnitzel auf die Gesundheit der Menschen haben.

Derweil schälen sich die beiden jungen Frauen aus ihrer Cellophan-Verpackung und tupfen sich die rote Farbe von den Beinen. Geht die ab? „Nach ein paar Tagen ist sie ganz verschwunden“, sagt Sabine. Dann packen sie ihre Plakate und Preisschilder wieder ein, die inzwischen 8. Aktion dieser Art ist beendet. Am nächsten Tag geht es weiter in Wolfenbüttel.

 

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