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Tag 102: Die Stulle-Häuser

150129 Stadtfuehrung Foto: Moras

In der Osterstraße Nummer 1 und 2 prallen die Jahrhunderte aufeinander. Hier steht das einzige Gebäude der Straße, das im Zweiten Weltkrieg nicht komplett zerstört wurde, erzählt Stadtführerin Annette Jander. Während die Fachwerkhäuser den Flammen zum Opfer fielen, blieben einige Teile des spätgotischen Sandsteinbaus erhalten. In seiner Fassade ein Wappen, das auf Henning vom Hagen verweist, der das Haus einst errichtet haben lassen soll. Gleich nach dem Wappen fällt im Vorbeilaufen noch ein Name über der Tür auf: Wilhelm Stulle. Nebenan prangt er gleich noch einmal an der Hausfront, nur die Schriftart ist eine andere, wie das gesamte Haus einen gewaltigen Zeitsprung auf der Brust trägt. „Das Schlimmste in Hildesheim waren für mich die einheitlichen Putzfassaden. Ich wollte, dass so etwas wie Schönheit bleibt“, rezitiert die Stadtführerin die ehemalige Besitzerin Lotte Babatz, geborene Stulle. In den 1950er-Jahren, in denen das Haus entstand, vermutlich eine wahrlich moderne Schönheit, erkennen diese heute wohl nur noch Liebhaber. Dabei hat Babatz hart für das Geschäft gekämpft. 1950 übernahm sie den Eisenwarenhandel von ihrem Vater, der selbst von seinem Senior und Namensgeber Wilhelm Stulle beerbt worden war. Als sie eine Hypothek aufnehmen wollte, wies man sie ab mit der Begründung, dass sie schließlich eine Frau sei. Also bewerkstelligte sie den Aufbau Stück für Stück, zwischen 1952 und 1955 entstand schließlich der Neubau nebenan. „Bei Stulle konnte man noch Nägel einzeln kaufen“, erzählt Regina Viereck, Stadtführerin in Hildesheim seit 20 Jahren. 2011 zog die Firma um, die Stulle-Häuser stehen leer und bilden eine stille Erinnerung an mittelalterliche Stadtgeschichte bis hin zum Wiederaufbau.

150129 Stadtfuehrung Foto: Moras150129 Stadtfuehrung Foto: Moras


Tag 102: Die Stulle-Häuser

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