next page next page close

Tag 329: Eine Prachtstraße und ihr Niedergang

sedanallee

Fotos: Archiv Verlag Gebrüder Gerstenberg

Sie war eine wahre Prachtstraße, eine Oase der Ruhe und die wohl die schönste Straße Hildesheims: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Sedanallee eine gute Adresse für wohlhabende Bürger. Von der Goslarschen Straße aus gesehen, standen auf der linken Seite der Allee verzierte Villen. Die Honorationen der Stadt hatten hier ihre privaten Domizile. Die Straße war nur einseitig bebaut – so hatten die Bewohner einen freien Blick auf die Mitte der Allee mit mehr als hundert Platanen, großen Rasenflächen und vielen Sitzbänken. Die rechte Seite der Allee war die sogenannte Fahrstraße, ebenfalls einseitig mit eleganten Häusern angelegt. Damals endete die Allee in ihrer ganzen Breite am Zimmerplatz am Goschentor.

Am Anfang der Allee stand das Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Es stellte Kaiser-Wilhelm I. zu Pferde dar – und wurde im Oktober 1900 vom damaligen Kaiser Wilhelm II. (seinem Enkel) eingeweiht.

Kaiserdenkmal

Am südlichen Ende der Straße – etwa dort, wo heute die Fahrstraße verläuft – befand sich auf einem Podest der Renata-Brunnen. Im Brunnen sprudelte Wasser, auf beiden Seiten standen Bänke.

Renatabrunnen

Mütter ließen ihre Kinder dort spielen – aber wehe, ein Kind pflückte ein Gänseblümchen auf der Rasenfläche. Dann war sofort der Pender zur Stelle und kassierte 30 Mark Strafe.

Name 010910/Sedanstraße/Kinder

Nach dem Großangriff im Zweiten Weltkrieg war von der Schönheit der Allee nicht mehr viel übrig. Die Häuser wurden fast alle zerstört, das Kaiser-Denkmal war schon vorher der Rüstungsindustrie zum Opfer gefallen. Auch der Brunnen wurde eingeschmolzen, viele Platanen wurden gefällt.


thumbnail article post