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Tag 70: Die Flopbox

Die Metabox

Zwischenzeitlich war die Aktie um die 200 Euro wert, am Ende stand sie bei 7 Cent: Die Hildesheimer Firma Metabox war um die Jahrtausendwende ein Star am Börsenhimmel. Dann stürzte die Aktie ab und verbrannte an der Börse ein Vermögen von mehr als 600 Millionen Euro.

692 120: Mit dieser Wertpapiernummer wird die Metabox-Aktie am 7. Juni 1999 an der Frankfurter Börse zum ersten Mal gehandelt. Der erste Tag spült dem Hildesheimer Technologieunternehmen rund 60 Millionen Euro in die Kasse. Die Idee der Hildesheimer klingt vielversprechend: Die Metabox soll das Internet in die Fernsehgeräte bringen. Es folgen reihenweise gute Nachrichten: Für Anlageberater und Banken ist die Aktie ein klarer „Kauf“, es wird erwartet, dass die Umsätze deutlich steigen, im November 1999 gibt Metabox auch noch eine Vereinbarung über die Einführung von Internet-TV in Südafrika bekannt und im April 2000 eine „strategische Allianz“ mit einem israelischen Partner über die Lieferung von Set-Top-Boxen im Wert von 500 Millionen Euro.

Ihre Partner und Großabnehmer nennt Metabox nur selten konkret. Die Anleger interessiert das zunächst kaum. Doch die Kritik an der Hildesheimer Firma wächst.

Das Metabox-Firmenschild vor der ehemaligen Firmenzentrale am Daimlerring 37.

Das Metabox-Firmenschild vor der ehemaligen Firmenzentrale am Daimlerring 37.

Aktienexperten warnen im Fernsehen vor dem Kauf, andere kritisieren die Firma in Zeitungsinterviews – auch, weil Metabox plötzlich eine Gewinnwarnung herausgibt: Statt des angepeilten Überschusses von 14 Millionen Mark erwartet das Unternehmen auf einmal wegen angeblicher Probleme mit Software-Zulieferern einen Verlust von 15 Millionen Mark. Auch die Stiftung Warentest ist nicht zufrieden. Sie nimmt mehrere Set-Top-Boxen unter die Lupe und lässt zwei Gerätetypen glatt durchfallen: „Wir raten vom Kauf ab“, so das Urteil der Tester. Das wirkt sich auf die tatsächlichen Verkaufszahlen aus: In den ersten neun Monaten des Jahres bringt das Unternehmen gerade einmal 15 000 Geräte an den Mann.

Währenddessen berichtet Metabox gegenüber einer Nachrichtenagentur von zwei Großaufträgen über 600 000 Set-Top-Boxen.

Im März 2001 werden die Geschäftsräume von Metabox durchsucht. „Kursbetrug“ lautet der Verdacht. Im April 2001 kostet die Aktie 1,50 Euro. Am 22. Mai beantragt Metabox die Insolvenz, zieht den Antrag Anfang November überraschend zurück, um ihn am 30. August 2002 erneut zu stellen. Am nächsten Tag stürzt der Kurs von 22 auf 12 Cent ab.

Als im Mai 2005 der Bundesgerichtshof die Bewährungsstrafe für den Geschäftsführer von Metabox bestätigt, notiert die Aktie am folgenden Tag sieben Cent. Metabox ist Geschichte, in der ehemaligen Firmenzentrale am Daimlerring 37 ist heute ein Studienseminar für Lehrer untergebracht.


Tag 70: Die Flopbox

Zwischenzeitlich war die Aktie um die 200 Euro wert, am Ende stand sie bei 7 Cent: Die...
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