next page next page close
thumbnail zoom


Tag 172: Der Autobahnanschluss

Wie plante man in den 1950er Jahren den Bau einer Autobahn? Anneliese Stehr erinnert sich an den Bau der A7 bei Hildesheim:

Am 25. Oktober 1954 trat ich meinen Dienst beim Autobahn-Planungsamt an. Die Räume befanden sich in der Kaiserstraße 21. Bald merkte ich, auf welches Großprojekt ich mich eingelassen hatte: der Autobahnbau von Seesen im Süden bis Berkhof im Norden war kein Pappenstiel.

Für die verschiedenen Spezialgebiete wie Erd- und Brückenbau wurden bald Neueinstellungen erforderlich, später auch für Schreibarbeiten. Schon bald reichten die Räume in der Kaiserstraße nicht mehr aus. 1956 zogen ich mit meinen Kollegen in den neugebauten Iduna- Bau am Hindenburgplatz. Aus dem Autobahnplanungsamt wurde das ANA Hildesheim, das Autobahnneubauamt.

Ich bekam in Gesprächen mit, dass man die Fehler aus dem frühen Autobahnbau, nämlich schnurgerade Strecken, nicht wiederholen, sondern die neue Trasse in möglichst dem Auge ansprechenden und dem Landschaftsbild angepassten Bögen legen wollte. Es sollten keine zu großen Steigungen zu überwinden sein und keine zu großen Einschnitte oder Aufschüttungen in der Landschaft erkennbar werden. Es wurde von wirtschaftlicher Fahrweise gesprochen. Ich lernte Fachbegriffe wie Trassierungen, Gradienten, Kreisbögen, flüssige Linienführung, Theodoliten, Klothoiden, die alle mit dieser Streckenführung zu tun hatten.

Nach langer und ausgiebiger Planung wurde dann endlich gebaut: Die Strecke war in einzelne Arbeitsabschnitte, in sogenannte Erdlose eingeteilt. Das ging nicht nach der Reihe, den Grund weiß ich nicht.

Durch die großen Erdbewegungen beim Bau ist auch so mancher Fund zu Tage getreten. Ich erinnere mich an wunderschöne Versteinerungen, Ammoniten, die mein Mann mit nach Hause brachte und bei unseren Söhnen auf großes Interesse stießen.

Kurz vor dem geplanten Eröffnungs-Termin im Dezember 1960 gab es dann aber doch große Schwierigkeiten. Eine Regenperiode setzte ein. Wie günstig war doch der warme, trockene Sommer 1959 gewesen. Und dann gab es Anfang Dezember auch noch Schnee und Frost. Es war fast ein Wunder, denn der Streckenabschnitt konnte am 15. Dezember 1960 eröffnet werden.

thumbnail article post