next page next page close
thumbnail zoom


Tag 164: Das Trikot in der afrikanischen Bar

Also mal ehrlich: Da entflieht man 14 000 Kilometer seiner Heimat, will Urlaub machen, quält sich mit dem Jeep den Sani-Pass im Osten Lesothos hinauf, pausiert 2874 Meter über dem Meeresspiegel in der höchsten Kneipe Afrikas, setzt zum ersten Schluck Bier oder Kaffee an, schaut nach oben – und was hängt über der Theke? Ein blaues Fußball-Trikot, versehen mit den Logos der Sparkasse Hildesheim, der EVI, der Volksbank und der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Na dann, prost!

Der Tatort: Die Sani Mountain Lodge, die höchstgelegene Bar Afrikas.

Das Trikot, das in den südafrikanischen Drakensbergen über dem Tresen thront, stammt aus dem Freundschaftsspiel zwischen der Stadt und dem Bistum Hildesheim. Die Partie fand Mitte September im Friedrich-Ebert-Stadion statt. Doch wie kommt dieses Shirt in die höchst gelegene Gastwirtschaft Afrikas?

Das ist doch... Genau! Ein Trikot des Jubiläumsspiels, das die Stadt Hildesheim gegen das Bistum Hildesheim austrug.

Das ist doch… Genau! Ein Trikot des Jubiläumsspiels, das die Stadt Hildesheim gegen das Bistum Hildesheim austrug.

Das hat sich auch Professor Gerd Wiendiek aus Rheinbach gefragt. Der Mann weilte im Urlaub im kleinen Königreich Lesotho und machte Station in besagter Schenke. Ihm fiel das Trikot sofort auf. Wiendieck rätselte, knipste Fotos und schickte die Bilder im Dezember 2014 der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. „Können Sie mir das erklären?“, will er von der Sportredaktion wissen, um dann gleich selbst zu spekulieren: „Vielleicht verschlug es ja einen ihrer Redakteure in die höchste Kneipe Afrikas. Und vielleicht hat der dann nach dem einen oder anderen Drink das Trikot mit dem HAZ-Logo in euphorischer Stimmung auf das Theken-Vordach gehängt.“ Möglicherweise als Gegenleistung für einen letzten Cocktail?

Eines dieser 16 blauen Trikots ist nun in Lesotho – aber welches? Nach einigen Telefonaten war klar: Detlef Hansen (hintere Reihe,dritter von rechts) hat es in der Bar gelassen.

Nun, dem ist nicht so. Die Redaktion war weder in Afrika, noch euphorisch. 18 Shirts aus feinstem Stoff sind für das Team Stadt anlässlich des Freundschaftsspieles gegen das Bistum hergestellt worden – einer der Fußballer muss der Besitzer sein. Bloß wer?

Wir bekommen einen Tipp von Lene Wagner. Sie arbeitet in der Marketingabteilung für das 1200-jährige Hildesheimer Stadtjubiläum und kümmerte sich im September 2014 um das Freundschaftsspiel. Wagner : „Dahinter steckt Detlef Hansen. Das ist sein Trikot.“

Ein Anruf bei Hansen genügt – er gesteht alles. Sofort. „Ich bin es gewesen!“ Der Ratsherr hat etliche Kontakte nach Afrika. Seine Schwägerin war einst Entwicklungshelferin in Lesotho. Hansens Neffe Simon Engelke wurde sogar in Südafrika geboren (mittlerweile lebt er in Hildesheim). „Es war schon immer mein Traum, den Sani-Pass zu überqueren“, sagt Hansen. In diesem Herbst erfüllte er sich den Wunsch. „Man kann das nur machen, wenn das Wetter mitspielt.“ Und weil es so schwierig ist, hinterlassen viele Menschen in der Pass-Kneipe auf 2874 Metern Höhe etwas persönliches – als Zeichen, es geschafft zu haben. „Mir fiel mein Trikot im Koffer ein, und ich hing das gute Stück über die Theke“, sagt Detlef Hansen.

Gemeinhin zieren Shirts von Top-Teams oder Superstars die Kneipen-Wände dieser Welt. Aber in Lesotho hängt keines von Messi oder Ronaldo, sondern ein waschechtes von Hansen.

thumbnail article post