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Tag 335: Skandal im Stadttheater

Erst entzweit im Dezember 1999 das Kinderstück des Stadttheaters „Das besondere Leben der Hilletje Jans“ die Geister. Die Frage ist, was Theater nun darf und soll oder nicht. Die Produktion ist von Eltern und Lehrern als „grausam und verantwortungslos“ kritisiert worden, als „Zumutung“, weil sie zur Weihnachtszeit nicht besinnlich genug sei: Hilletje Jans ist ein Waisenkind im 18. Jahrhundert, das unschuldig des Mordes angeklagt wird und ins Gefängnis kommt. Nach ihrer Entlassung verkleidet sie sich als Mann und wird ein berühmter Kapitän. 15 Prozent der vorbestellten Karten werden zurückgegeben. Dann bekommt der Theater-Intendant Morddrohungen.

„Wir kriegen dauernd Anrufe: Was ist los in Hildesheim?“ Dr. Martin Kreutzberg, Intendant des Stadttheaters, weiß damals auf die Frage keine Antwort. Anonyme Drohungen gehen an seine Adresse, gleich drei innerhalb weniger Tage: „Das Messer wartet auf dich.“ Solche Reaktionen, berichtet ert, habe es bei dem 16 Jahre alten Stück von Ad de Bont noch in keiner anderen Stadt gegeben. Mehr als 1000-mal ist „Hilletje Jans“_an deutschen Bühnen gespielt worden. Im Freiburger „Theater im Marienbad“ steht es für Schulkinder ab acht Jahren seit 1993 ununterbrochen auf dem Spielplan. Nur in Hildesheim, da gibt es einen handfesten Skandal. Foto: HAZ-Archiv