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Tag 112: Das größte Schwein der Stadt

Im Freizeitpark Sottrum wurde sie am 7. Juli 1984 geboren. Bei der Hildesheimer Ausbildungsstelle für Polizeihunde machte Luise Karriere: Von 1984 bis 1987 war sie als Deutschlands einzige Spürwildsau im Polizeidienst. Als Luises Trainer, Erster Polizeihauptkommissar Werner Franke, 1987 pensioniert wurde, schied auch das Wildschwein aus dem Dienst aus. Sie bekam im Sottrumer Freizeitpark ihr Gnadenbrot und lebte dort noch bis 1998.

Es war schon ein verblüffender Vorgang. „Unsere Sicherheit“, die Zeitschrift des niedersächsischen Innenministeriums, würdigte Mitte April 1985 Luises Ausbildung und Leistungen. Engstirnige Bürokraten in der Polizeiführung belehren Werner Franke wenige Tage danach eines Besseren: „Das Schwein muß weg“, fordern sie. Der Ärger eskaliert. Die Polizeiführung aber bleibt dabei: „Keine Sau im Polizeidienst.“ 26. Juni 1985: Ministerpräsident Ernst Albrecht erklärt Luise zur Chefsache: „Die Sau bleibt.“ Da wagen auch die Polizeibürokraten keinen Widerstand mehr. Luises „Karriere“ beginnt, das Wildschwein wird zum Rauschgiftspürschwein ausgebildet. Am 15. Mai 1986 folgt die ministerielle Anerkennung für Luise als Polizei-Spürwildschwein, SWS im Amtsdeutsch. Zwei Wochen zuvor hatten Werner Franke und sein vierbeiniger Kollege in Bonn vor Hunderten von Journalisten und in Anwesenheit von Ministern, Staatssekretären und Botschaftern belegt, wie zielsicher Luise die Rauschgift- und Sprengstoffsuche angeht. Vom Bund der Steuerzahler wird die Hildesheimer Spürwildsau 1987 als Sparschwein des Jahres geehrt. Im selben Monat ernennt die internationale Polizeiverbindung IPA Luise gar ganz ernsthaft zur „Ehrensau“.

Niedersachsens Innenminister Wilfried Hasselmann tritt am 27. Mai 1987 persönlich im Freizeitpark Sottrum an: Er schickt die einzige deutsche Spürwildsau in Pension und würdigt offiziell ihre Verdienste.