Tag 79: Drunter und Drüber

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„Es ist dunkel, es riecht nach Urin – und obwohl es draußen regnet, schlendert nur eine Handvoll Menschen durch die Unterführung. Die Abneigung gegen den Almstortunnel ist offenbar stärker als der Drang, ins Trockene zu kommen. Gestern war der letzte Tag in der 44-jährigen Geschichte des Almstortunnels.“

So schreibt es die HAZ am 2. Juli 2014, dem Tag an dem die Abbrucharbeiten am Almstortunnel beginnen. Über Sinn und Unsinn des Tunnels wurde davor schon jahrelang diskutiert. Die Stadt fragt die Bevölkerung, aber auch die ist gespalten.

Baubeginn für den Tunnel war der August 1970, ein Jahr später wurde er eröffnet. 3 Millionen Mark sind bis dahin in den Bau geflossen. Im 43 Meter langen Tunnel gibt es auch Platz für Geschäfte – zu Beginn sind auf den 112 Quadratmetern alle Geschäfte belegt. Mit den Jahren entwickelt sich aus dem Stolz vieler Hildesheimer aber ein städtebaulicher Problemfall.

1995 beschließt der Stadtrat deshalb auf Antrag der CDU-Fraktion einen ebenerdigen Übergang der Kaiserstraße. Die Argumente gegen den Tunnel: zu hohe Betriebskosten, schlechte Optik, Störfaktor der Flaniermeile. 1996 soll der Umbau beginnen. Pustekuchen! Erst einmal passiert ein Jahrzehnt lang gar nichts.

Ende 2005 sind sich Rat und Verwaltung dann aber einig: Der ebenerdige Fußgängerüberweg kommt – die Rolltreppen verschwinden. Die Pläne werden in die Tat umgesetzt – der Tunnel aber bleibt. Wie es weitergeht steht zunächst in den Sternen. Nicht nur die Betreiber der Läden im Almstortunnel beschweren sich, auch Hauseigentümer sind unzufrieden.

Doch die Zeit vergeht und immer wieder stehen sich Gegner und Befürworter gegenüber. Zu einer Entscheidung kommt es aber erst 2013. Damals stellt Stadtkämmerin Antje Kuhne kurzfristig 250.000 Euro für die Tiefbausanierung bereit. Stadtbaurat Kay Brummer legt Abbaupläne für den Tunnel vor. Der Tunnel wird in zwei Etappen geschlossen.

Mitte August 2014 sind die Bauarbeiten wie geplant abgeschlosen. Vom Tunnel selbst ist nichts mehr zu sehen – aber im Untergrund fristet er weiterhin gut versteckt sein Dasein. Ohne den Tunnel bleibt der Weg über die Ampel.