Tag 238: Zweifacher Babymord erschüttert Hildesheim

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Grausiges Geständnis einer Hildesheimer Sozialpädagogik-Studentin im September 2002: Sie habe ihre beiden Söhne jeweils kurz nach der Geburt in ihrer Wohnung erstickt, in Plastiktüten verpackt und in den Müll geworfen. Das berichtet die damals 28-Jährige der Polizei. Als sie die Schwangerschaften bemerkte, sei es zu spät für eine Abtreibung gewesen. Und um weiter ein „normales Leben“ führen zu können, habe sie die Neugeborenen mit einem Kissen erstickt.

Die Staatsanwaltschaft Hildesheim erhebt Ende November 2002 Anklage wegen zweifachen Mordes, der Prozess vor dem Hildesheimer Landgericht beginnt im Januar 2003. Die Verteidigerin sagt in dessen Verlauf: Die Studentin sei bisher „nicht zu ihren Beweggründen vorgedrungen“, sie sei aber keine Mörderin. Das Ziel der Verteidigung: eine Verurteilung wegen Totschlags im minder schweren Fall. Während die 28-Jährige schluchzend die grausigen Taten gesteht, sagt sie auf Fragen nach Erklärungen und Motiven immer wieder: „Ich weiß es einfach nicht.“

Ende Februar 2003 wird die Angeklagte wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass sie ihre neugeborenen Söhne erstickt und in den Müll geworfen hat. Zuerst Linus, am 15. September 2001. Sie habe getötet, um ihre Beziehung zu ihrem Lebensgefährten nicht zu gefährden. Der 53-jährige Hotelleiter aus dem Landkreis wollte kein Kind, merkte nicht, dass seine Freundin schwanger war. Sie belog ihn, wollte mit ihm weiterleben wie bisher, deshalb tötete sie. Ein zutiefst verachtenswertes Tatmotiv, findet die Kammer – ein „niedriger Beweggrund“, der die Tat für die Juristen zum Mord macht. Am 4. August 2002 erstickte die Studentin auch ihren Sohn Kevin. Erneut habe sie getötet, um ihre Beziehung zu retten, urteilt das Gericht. Dazu komme das Ziel, durch die Tat den ersten Mord zu verbergen. „Verdeckungsmotiv“, nennt das der Jurist. Und wieder kommt die Kammer deshalb zur Schlussfolgerung: Mord.

Die Leichen der Babys werden nie gefunden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit verbrannten sie im Ofen einer Müllverbrennungsanlage.