line

Tag 347: Die Weihnachtszeder der Nordstadt

Die Zeder in der Fichtestraße 55 sollte es eigentlich gar nicht geben und doch wurde sie zu einem festen Treffpunkt, nicht nur für die Nordstädter.

„Wie in der Straße üblich sollte dort ein Obstbaum gepflanzt werden“, erzählt Klaus Schlüter, „der damalige Mieter wollte aber lieber einen anderen Baum.“ Also: eine Zeder. „Ab Anfang der 90er Jahre haben wir den Baum zu Weihnachten immer geschmückt. Beim ersten Mal waren es 780 Kerzen, 2012 waren es 3600 und zuletzt 15 000 LEDs“, erzählt Schwiegertochter Okka Schlüter.

Okka und Klaus Schlüter blättern in der Vergangenheit - damals stand ihre Zeder noch. Foto: Borm

Okka und Klaus Schlüter blättern in der Vergangenheit – damals stand ihre Zeder noch. Foto: Borm

Der Moment der Erleuchtung wurde Jahr für Jahr zum festen Termin für etliche Anwohner. „Am ersten Advent um 17 Uhr haben wir immer den Stecker eingesteckt, da standen die Leute schon vor dem Haus und haben gewartet.“ Nur einmal ließen sie die Lichter eine Stunde früher flackern. „Jemand hatte Besuch aus Amerika, die mussten ihren Flieger bekommen, da haben wir eine Ausnahme gemacht. Mit Klappstuhl und Bier haben sie sich das dann angeschaut,“ erinnert sich Okka Schlüter.

Teilweise habe die Polizei bei den Adventstreffen in der Nordstadt sogar die Straße abgesperrt und spätestens seit eine Cousine in einem Jahr Krapfen gebacken und Okka Schlüter Glühwein gemacht hatte, war so etwas wie ein Mini-Weihnachtsmarkt entstanden. „Die Leute haben dann gefragt: Gibt es wieder Krapfen? Und im vergangenen Jahr haben wir schließlich 280 Krapfen verteilt und 60 Liter Glühwein ausgeschenkt.“

Seit 2014 gibt es allerdings kein Leuchten mehr. Der Baum ist weg. Im März sind die Baumfäller angerückt, was blieb, war ein Stumpf, umrahmt von Sägespänen, und ein paar Äste. „14 Meter war der Baum hoch und ragte schon über den Giebel.“ Ein Sturm brachte den Baum in eine starke Schräglage, ein Landschaftsgärtner habe den Schlüters schließlich dazu geraten, die Zeder fällen zu lassen. Der Stamm hatte schon Schäden, in zwei, drei Jahren hätten er zwar ohnehin entfernt werden müssen. Trotzdem: „Da fehlt was. Und plötzlich kommt hier so viel Licht rein. Wir sind schon traurig, dass er weg ist.“