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Tag 54: Der Josephiner, der 007 drehte

Hubert Fröhlich

Der Josephiner Hubert Fröhlich war 1968 Produktionsleiter des Bond-Films „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“.

Eine „freistehende Gipfelstation mit einer Bergseilbahn“ – so beschrieb Ian Flemings James-Bond-Roman das Schurkenversteck in „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“. Keine leichte Aufgabe für den Hildesheimer Hubert Fröhlich.

Fröhlich wurde am 23. Oktober 1928 als Sohn eines Sohn eines Oberstudienrates und seiner Frau im damaligen Schlesien geboren. 1945 zog er nach Harsum und 1948 hat er sein Abitur am Josephinum gemacht. Nachdem er bei Lawrence von Arabien und der Fernsehproduktion Hafenpolizei mitgewirkt hatte, wird er 1968 überraschend zum Bond-Produktionsleiter berufen. „Im Geheimdienst“ ist der einzige 007-Film mit George Lazenby in der Hauptrolle.

„Für einen Produktionsleiter ist es am wichtigsten, zuerst einen geeigneten Hauptdrehort zu finden“, sagt Fröhlich zu seiner Aufgabe. Also machte er sich auf die Suche. Erst in Italien, dann in Österreich, schließlich in Frankreich. Doch eine passende Bergbahn war nicht zu finden.

In der Schweiz wurde Fröhlich schließlich fündig. Er erzählte dem Concierge eines Hotels von seinen Problemen. „Fahren Sie doch nach Mürren“, schlug der Portier vor. Der Ort sei „gleich hinter den Bergen“. Dann zeigte er eine Postkarte der noch im Bau befindlichen Schilthorn-Gipfelstation: freistehend, imposant, aus glitzerndem Aluminium. „Wenn die Besitzer eines Tages das Geld haben, soll sie sich sogar drehen“, sagte der Portier. Hubert Fröhlichs Augen leuchten, wenn er an den Augenblick zurückdenkt. Er schnipst mit den Fingern: „Da wußte ich, daß ich den richtigen Drehort gefunden hatte.“

Im Oktober 1968 kam das englische Filmteam in Mürren an. Dann begannen die Alltagsprobleme: Alle Seilbahnkabinen mußten in einer Farbe gestrichen werden, auf dem Gipfel gab es zu wenig Strom für die Beleuchtung, die englischen Stecker paßten nicht in die Schweizer Steckdosen. Sieben verschiedene Gewerkschaftsvertreter waren mitgereist, und die drohten mit einem Streik, wenn das Team nicht sofort warme Schutzkleidung bekommen würde. „Und außerdem mußten wir für jeden Meter, der die normalen Arbeitsbedingungen überschritt, eine Höhenzulage bezahlen, und für jeden Kältegrad, der unter dem Normalen lag, eine Kältezulage.“

Am 17. Mai 1969 fiel die letzte Klappe für die Aufnahmen in der Schweiz. Nach sieben Monate Dreharbeiten verließ das englische Filmteam das Alpenland. Fröhlich aber liess sich in Mürren nieder. Bis zu seinem Tod im Jahr 2005 blieb er – ganz nah an „seiner“ Schilthorn-Gipfelstation.