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Tag 317: Das Helgoland-Fettnäpfchen

365_helgoland450Oberbürgermeister Kurt Machens und seine Dezernenten wollen im Februar 2009 den Sparhaushalt beraten und Wege aus dem desaströsen Defizit suchen. Eine gute Sache. Doch dass die dreitägige Klausur ausgerechnet auf Helgoland stattfindet, stößt dem einen oder anderen dann doch übel auf. Das Stadtspitze setze ein falsches Signal in Zeiten leerer Kassen, so die Kritik. Was wiederum Machens nicht nachvollziehen kann: die Kosten der Anreise (Flug und Autofahrt) würden immerhin von den einzelnen Teilnehmern privat übernommen. Lediglich Verpflegung und Hotel gehe zu Lasten der Stadt.


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Tag 316: And the Oscar goes to…

Es ist der 26. März 1990 und im Dorothy Chandler Pavillon in Los Angeles schreiben zwei 28-jährige Hildesheimer Geschichte. Es ist Bugs Bunny, der die Entscheidung verkündet. 9190 Kilometer entfernt jubelt dann auch Annette Lauenstein. Sie sitzt seit nachts um 3 Uhr vor dem Fernseher und hat nur auf diesen einen Moment gewartet: Den Oscar für ihre Söhne Christoph und Wolfgang Lauenstein. Es ist die erste deutsche Produktion, die den Oscar für den besten animierten Kurzfilm gewinnt.

Titelseite der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 28. März 1990

So titelte die Hildesheimer Allgemeine Zeitung am 28. März 1990 über die beiden Oscar-Gewinner.

Etwas schüchtern wirken die beiden Zwillinge aus Ochtersum, als sie sich auf der Bühne für den Preis bedanken. Es sei sehr aufregend in Hollywood und hier auf der Bühne zu sein, sagt Christoph. Den Oscar in seiner linken Hand nennt er „this great guy“, diesen großartigen Typen. Danach schickt er noch Grüße nach Deutschland und beendet seine kurze Rede. Mitten im aufkommenden Applaus tritt Wolfgang noch ans Mikrofon: „That’s what I wanted to say, too.“ Er erntet Lacher.

Die Karriere der Lauenstein-Zwillinge beginnt mit Fotografie. Ihren ersten gemeinsamen Film drehten sie mit 17 Jahren. Er wurde bei einem Jugendfilmfestival in Werl ausgezeichnet. Dann treibt das Studium die Zwillinge in verschiedene Städte: Christoph nach Kassel, Wolfgang nach Hamburg. In den Semesterferien produzieren sie im Keller ihres Elternhauses weiterhin Animationsfilme. Auch den Film „Balance“, bei dem sie alles selbst gestaltet haben, selbst die Musik. Die Produktionskosten: 3000 Mark.

Mit dem siebenminütigen Film gelingt ihnen der Coup. Nach dem Oscar-Triumph werden sie von den Walt-Disney-Studios eingeladen, Auftraggeber wie Nike und Coca-Cola fragen für Werbespots an. Auch Museen interessieren sich für die Arbeit der beiden Hildesheimer. Noch heute läuft Balance in einer Endlosschleife am Schluss der Dauerausstellung im Haus der Geschichte in Bonn.

Als „Lauenstein & Lauenstein“ arbeiten die Zwillinge heute in Hamburg und produzieren weiterhin Animationsfilme und Werbespots.

Die Ansage von Bugs Bunny im Video ab 2:51 Minuten, die Dankesrede von Christoph und Wolfgang Lauenstein ab 4:21 Minuten.

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Tag 315: Herbst in Hildesheim aus der Luft

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Tag 314: Das Hildesheim der Zukunft – Folge 11 mit Atharv

Hildesheim ist 1200 Jahre alt, schön und gut. Aber wie sieht die Stadt wohl aus, wenn sie erst 2400 Jahre alt ist? Hildesheimer Kinder von der Grundschule Moritzberg wagen den Blick voraus – 1200 Jahre in die Zukunft.

Folge 11: Atharv Sharma, 8 Jahre

150713-hildesheim in 1200 Jahren 27In 1200 wird Hildesheim zweigeteilt sein, meint Atharv. Oben gibt es fliegende Supermärkte und fliegende Autos. Ein Gummihaus ist Hildesheims wichtigste Sehenswürdigkeit. Ein riesiges Schutzschild vor der Sonne sorgt dafür, dass die Strahlen in Hildesheim nicht zu stark werden.

Unter der Stadt ist eine Agentenstation. Dort gibt es unter anderem Roboter mit sechs Armen und sechs Laserschwertern. Zombies übernehmen nachts den Job der Polizei und wachen über Hildesheim. Überall in der Stadt gibt es Überwachungskameras und Alarmknöpfe.

Mithilfe eines schildgeschützten Teleporters gelangen die Hildesheim von der einen in die andere Ebene der Stadt. Oder sie nutzen eine Rutsche von oben nach unten – doch die ist durch einen Code geschützt.

Und so sieht das Ganze im Detail aus – zum Vergrößern bitte anklicken!

150713-hildesheim in 1200 Jahren 28


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Tag 313: Die Synagoge brennt

Es ist der Morgen des 10. November 1938, als die elfjährige Judith aus der Wollenweberstraße mit ihrem Schulranzen auf dem Rücken in Richtung Hohnsenschule geht. In der Nacht zuvor haben Sturmbannführer Emil Frels und seine Schergen den Führerbefehl längst ausgeführt. Die Synagoge am Lappenberg, der ganze Stolz der kleinen jüdischen Gemeinde Hildesheims, ist zum größten Teil ausgebrannt. „Der Judentempel brennt“, rufen Mitschüler Judith und ihren Freundinnen zu. Die Kinder laufen durch den Kehrwiederturm und auf den Wall, um zu sehen, was passiert ist.

9. November 1938.  Einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Deutschlands. An diesem Tage beginnt eine furchtbare Jagd mit Ausgrenzung und Terror. Foto: HAZ-Archiv

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Tag 312: Fräulein Sinner

Ist das ein Leben! Sie besitzt mindestens drei Futterstellen, wird öfter gekrault als jede Katze es sich erträumen könnte und ist sogar in einem sozialen Netzwerk online vertreten. Die Rede ist von der Campuskatze Fräulein Sinner.

Wenn man die Uni-Studenten fragt, wem die grau-weiße Samtpfote eigentlich gehört und wer sich um sie kümmert, ist die Antwort meist ein Schulterzucken. Keiner weiß so richtig, was es mit dem Tier auf sich hat, wer ihr eigentlich das Futter hinstellt. Viele tippen auf den Hausmeister, für viele ist es aber auch eine Art Mysterium.

Campus-Katze

Fräulein Sinner ist sogar im Internet bekannt wie ein bunter Hund. Foto: Screenshot

2002 fiel Monika Sinner aus der Hochschulverwaltung die herrenlose Katze auf. „Sie wärmte sich gerne an der heißen Luft, die nachts durch die Entlüftung der Bibliothek herausströmte“, erinnert sich Sinner. Nach einer Weile entschloss sie sich, das abgemagerte und verletzte Tier zum Tierarzt zu bringen. Damals war es etwa drei Jahre alt. Mehrmalige Versuche, die Katze im Tierheim und in einer Pflegefamilie unterzubringen, schlugen fehl: Immer wieder kehrte „Fräulein Sinner“ zurück zum Campus der Universität.

Mit dem Umzug ihres Dezernats in das Gebäude am Hindenburgplatz wurde es für Monika Sinner allerdings schwierig, sich weiter um das Tier zu kümmern. Seitdem hat die Katze eben andere Nachfolgerherrchen. Und natürlich sind auch die Studenten im Boot: Die liebkosen das Tier gerne mal, um den Kopf von anstrengenden Gruppenarbeiten frei zu kriegen.

Dass die Katze mittlerweile fester Bestandteil des Campuslebens ist, zeigt auch eine weitere Aktion: Die Katze bekam ihr eigens Profil im Studentennetzwerk „studiVZ“. 591 Freunde an der Universität Hildesheim hat sie dort – mehr als die doppelte Anzahl an Freunden der meisten Studenten. Ihr Fotoalbum zeigt jede Menge Katzenfotos von ihr, ihre Gruppen heißen „Wie, mit Essen spielt man nicht?“ oder „Mein Katzenfutter hat Dönergeschmack!“ In ihrem Job ist sie ein „ziemlich hohes Tier“, wie ihre Seite verrät. In einem Pinnwandeintrag wünscht ihr ein befreundeter Student „Sauviel Glück für 2011“. Wer die Internetpräsenz der Campuskatze verwaltet, ist ein Geheimnis.

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Tag 311: Neustadt

So neu, wie der Name es vermuten lässt, ist die Neustadt gar nicht, denn sie wurde bereits zwischen 1212 und 1216 gegründet. Bis zu ihrer Verschmelzung mit der Hildesheimer Altstadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts war sie sogar eigenständig. Die Siedlung,  gegründet vom Propst des Hildesheimer Domes an der Handelsstraße nach Goslar, sollte einen Gegenpol bilden zu dem aufstrebenden Hildesheim, das sich dem Einfluss des Bischofs mehr und mehr entzog. Wie viele im Mittelalter neu geschaffene Städte wurde die Neustadt planmäßig angelegt mit gerade geführten Straßen um einen nahezu quadratischen Marktplatz. Noch heute ist dieses geometrische Muster auf dem Stadtplan erkennbar.

Aufgrund der zentralen Lage ist die Neustadt nicht nur als Einkaufsgebiet, sondern auch als Wohnquartier sehr beliebt. Ganz in der Nähe befinden sich die Grünanlagen des Ernst-Ehrlicher-Parks und der Sedanstraße, beides schöne Möglichkeiten zur Naherholung. Und gerade auswärtige Besucher Hildesheims zieht es immer wieder zur Lambertikirche und dem Katzenbrunnen und dann auch in die Keßlerstraße, die Knollenstraße oder zum Kehrwiederturm, denn hier gibt es noch echte alte Fachwerkhäuser zu bewundern.

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Tag 310: Die beliebtesten Mädchennamen der vergangenen 50 Jahre

Julia, Sophie oder doch Mia? Mit welchen Vornamen liegen Frauen und Mädchen in Hildesheim voll im Trend?

Wir haben Zahlen der Stadt ausgewertet – jetzt sind Sie gefordert: Erraten Sie den beliebtesten Mädchennamen der vergangenen 50 Jahre!


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Tag 309: Die schönsten Heiratsanträge

Wer auf diese Art und Weise gefragt wird, kann doch eigentlich nicht „Nein“ sagen.

Klicken Sie sich durch die schönsten Heiratsanträge der Hildesheimer.


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Tag 308: Die Oststadt in Zahlen


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Tag 307: Das Hildesheim-Quiz


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thumbnail Tag 306: Joe Cocker im be bop zoom


Tag 306: Joe Cocker im be bop

Unvergesslich: Am 2. November 1981 spielt Joe Cocker im be bop. Schuld daran war Pelle.

Pelle, ein alter Freund von be-bop-Betreiber Candido „Doddy“ de Bona, war größter Cocker-Fan weit und breit. Zwei Mal hatte Pelle ihn schon bei Tourneen durch die USA begleitet, bei der Europatour 1981 war er wieder mit im Boot. Und so klingelte einmal auch das Telefon bei Doddy. Cocker habe zwischen zwei Konzerten in Berlin und Paris drei Tage Pause, berichtet Pelle. Ob Doddy nicht auf die Schnelle noch ein Konzert im Raum Hannover organisieren könne?

Es sind nur anderthalb Wochen Zeit, doch Doddy gibt sein Bestes. Er versucht es in der Rotation und anderen Clubs in Hannover, fragt in Hildesheim nach der Sporthalle an der Pappelallee. Nichts zu machen, erkläŠrt er seinem Freund Pelle. Doddy lässt sich aber breitschlagen, Cocker für zwei Konzerte ins be bop zu holen. Es ist noch eine Woche Zeit.

Für 25 Deutsche Mark an der Abendkasse - eine Eintrittskarte für das Joe-Cocker-Konzert. Foto: Jörg Reddöhl

Für 25 Deutsche Mark an der Abendkasse – eine Eintrittskarte für das Joe-Cocker-Konzert. Foto: Jörg Reddöhl

Da kennt Doddy allerdings noch nicht die Liste des Cocker-Technikers, was alles zu besorgen ist: Verstärker für die Musiker, PA, Licht, sogar eine Hammond B3-Orgel. „Davon gab es damals in Deutschlang nur drei Stück“, sagt Doddy. Es gelingt ihm aber, alles zu mieten – glaubt er jedenfalls. Eine deutsche Band sagt zu, alles mit einem Sattelschlepper zur Wilhelmshöhe zu bringen.

Der große Tag ist da. 1. November. Doch der Sattelschlepper kommt nicht. In den wenigen verbleibenden Stunden bis zur Ankunft Cockers leiht sich Doddy in der Hildesheimer Musikszene alles zusammen, was er bekommen kann. Die B3 und ein paar Kleinigkeiten fehlen. Als die Band ankommt, nimmt Doddy den Manager Michael Lang (bekannt aus dem Woodstock-Film) beiseite: „Hier hast du erstmal die komplette Gage für beide Tage. Und jetzt lass uns reden.“ Das Ende vom Lied: Der erste Abend wird abgesagt, um die Technik in den Griff zu bekommen.

Am 2. November steht Joe Cocker vor nur 350 Zuschauern auf der BüŸhne des be bop und spielt nach Aussagen von Augenzeugen ein tolles Konzert. Er glaubt, ein Verrückter habe ihn für seine private Geburtstagsfete gebucht. Die Story hat sich Doddy selbst für Cocker ausgedacht.

Das Nachspiel: Peter Hšcker geht das Engagement des britischen Weltstars eine Spur zu weit. Er beschließt, im be bop auszusteigen und ein eigenes Lokal aufzumachen. Und Doddy? Ist um eine Erinnerung reicher und ein paar Riesen äŠrmer. Er hat bei dem Konzert 25000 Mark drauf gezahlt. Und bereut es noch nicht einmal: „Wenn einer so ein Thema nicht anfasst, dann kann er aufhören.“

Dieser Artikel von Ralf Neite ist am 4. November 2006 in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung erschienen.

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Tag 305: Gruselbaum

„Launen der Natur“ hieß das Motto des HAZ Fotowettbewerbs, für das uns Kai Kupfer das Bild dieses knorrigen Gesellen aus einer Grotte in Südengland schickte. Wenn er auch nicht gewonnen hat – zu Halloween holen wir den Gruselbaum gerne noch einmal aus dem Archiv.
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Tag 304: Drei Stunden Kaiser

365_kaiser1_450Kaiser Wilhelm II. besucht am 31. Oktober 1900 für drei Stunden Hildesheim. An der Sedanallee wird ein Denkmal für seinen 1888 verstorbenen Großvater Wilhelm I. enthüllt.  Die Vorbereitungen für dieses Großereignis waren enorm. Allein der Schriftverkehr füllt im Stadtarchiv Hildesheim, einschließlich der Polizeiakten, zweiunddreißig Bände. Die Stadt Hildesheim musste für das Ereignis tief in die Tasche greifen: Die Kämmereirechnung von 1900/1901 weist die stolze Summe von 44.442,17 Mark aus. Die städtischen Kollegien hatten am 30.000 Mark für die Kaiserfeier bewilligt. Hinzu kamen Kosten für die Ausbesserung der Straßen und 5000 Mark für die Errichtung der Tribünen. Der Verein zur Erhaltung der Kunstdenkmäler forderte die Hildesheimer Bürger am 24. April 1900 sogar auf, ihre Fachwerkhäuser mit einem neuen Anstrich zu versehen. Eine Festdekoration in Form von Scheinfassaden sollte von modernen Bauten und Häuserzeilen ablenken. So entstand auf dem damaligen Paradeplatz, dem heutigen  Hindenburgplatz, zur Verdeckung einer unscheinbaren Häusergruppe ein mächtiges „Gildehaus“ mit einer anschließenden Ehrenpforte. Unser Foto zeigt dem Kaiser und sein Gefolge am Tausenjährigen Rosenstock.

kaiser3Es wurde eine hölzerne Freitreppe unter Anleitung des Zimmermeisters Brunotte vor dem Bahnhof mit Baldachin gebaut. Mit Hilfe dieser Freitreppe konnte der Höhenunterschied von Bahnsteig und Bahnhofsplatz ausgeglichen werden, so dass das Kaiserpaar nicht die Tunnel benutzen musste. Fotos: HAZ-Archiv


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Tag 303: Das Hildesheim der Zukunft – Folge 10 mit Naya

Hildesheim ist 1200 Jahre alt, schön und gut. Aber wie sieht die Stadt wohl aus, wenn sie erst 2400 Jahre alt ist? Hildesheimer Kinder von der Grundschule Moritzberg wagen den Blick voraus – 1200 Jahre in die Zukunft.

Folge 10: Naya Maomari, 8 Jahre

150713-hildesheim in 1200 Jahren 24Auch in 1200 Jahren gibt es in Hildesheim noch die Gelbe Schule, das ist klar für Naya.

Schulbusse und auch alle anderen Fahrzeuge fahren auf Stelzen, denn auf der Welt gibt es viel mehr Wasser als heute. Deshalb brauchen auch die Hildesheimer dieses Hilfsmittel – auch sie laufen auf Stelzen.

Durch die Luft fliegen riesige Schmetterlinge – die Flugzeuge der Zukunft. Menschen können in oder auf diesen Schmetterlingen mitfliegen.

Und so sieht das Ganze im Detail aus – zum Vergrößern bitte anklicken!

150713-hildesheim in 1200 Jahren 25


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Tag 302: Mit dem Sonderzug zum HSV

Horst Lehrke traute seinen Augen kaum. Er wollte doch nur den Keller aufräumen, es sollte alles ordentlich sein. Und plötzlich hielt Lehrke ein altes Blechschild in den Händen: „Fußballsonderzug Hildesheim – Hamburg und zurück“. Es war jenes Schild, das Lehrke einst selbst anlässlich des DFB-Pokalspiels Hamburger SV gegen den VfV Hildesheim in Auftrag gegeben hatte. Er war damals Kundenberater bei der Deutschen Bahn und handelte aufgrund seiner guten Beziehungen einen Sondertarif für den Sonderzug aus. Beim Blick aufs Datum erlebte Lehrke die nächste Überraschung: “15. Oktober 1977“.

VfV-HSV

Die Auswärtsfahrt zum HSV – daran erinnert man sich auch heute noch gerne.

4000 Hildesheimer machten sich damals mit dem Sonderzug auf den Weg ins Hamburger Volksparkstadion. Fünfte Liga gegen 1. Bundesliga – klarer konnten die Rollen nicht verteilt sein. Lothar Wehmeyer, damaliger Trainer der jungen Hildesheimer Truppe, hat die alten Zeitungsschnitte und Fotos fein säuberlich in einem dicken Ordner abgeheftet. „Wer die Hildesheimer Mentalität kennt, weiß, wie verteufelt schwer es ist, jemanden mit Innerstewasser Getauften von der Couch zu kriegen – und ihn gar zu ganztägigen Massenausflügen zu bewegen. Der Hildesheimer liebt nichts so sehr wie seinen eigenen kleinen Kram – das ist die Stärke und die Schwäche dieses Menschenschlages“, schrieb damals ein Journalist.

Aber am 15. Oktober 1977 ist alles anders, und das schon früh am Morgen, als die ersten Schlachtgesänge durch den Hildesheimer Bahnhof hallen. Sie kommen mit Fahnen und Trompeten, auf dem Bahnsteig spielt der VfV-Spielmannszug auf. Es singen Concorden und Borussen, Väter und Söhne, liebliche Schlachtenbummlerinnen und Ratspolitiker: „Immer wieder, immer wieder Vau eff Vau!“

Wolfgang Overath hatte den die Paarung VfV-HSV gelost. VfV-Trainer Lothar Wehmeyer ist hocherfreut. Seine erste Reaktion: „Es ist vielen bekannt, dass ich HSV-Anhänger bin. Deshalb ist die Paarung für mich ein Traumlos. Bedauerlich ist nur, dass das Spiel nicht in Hildesheim stattfindet.“ Der HSV hätte einem Tausch des Heimrechts sogar zugestimmt, aber der DFB lehnte ab.

Neben zwei Sonderzügen kamen am Spieltag auch 24 Busse vollgepackt mit Hildesheimer Fans in der Hansestadt an. Im riesigen Volksparkstadion verlieren sich 8000 Zuschauer, die Hälfte kommt aus Hildesheim. Die haben auch gleich Grund zum Jubeln, denn die VfVer bringen den haushohen Favoriten in Bedrängnis. In der 8. Minute schießt Sickfeld knapp am Tor vorbei, wenig später streicht ein Kopfball von Günther nur Zentimeter über die Querlatte.

Auch die Hildesheimer Allgemeine Zeitung berichte damals über die Auswärtsfahrt.

Doch als das 1:0 für den HSV gefallen ist, müssen die Gäste einsehen, dass nichts zu holen ist. Keller, Memering und Kevin Keegan schießen bis zur Pause einen 3:0-Vorsprung heraus. Im zweiten Durchgang schrauben abermals Keegan, Keller und Kaltz per Foulelfmeter das Ergebnis auf 6:0. Die besten Kritiken beim VfV bekommt Torwart Frank Reichel, der gegen die Profis zahlreiche Glanzparaden zeigt. Nach dem Schlusspfiff stürmen die VfV-Spieler in die HSV-Kabine – um sich Autogramme zu holen.

VfV-Trainer Wehmeyer ist trotz des 0:6 zufrieden: „Hauptsache, wir haben nicht zweistellig verloren. Aber ein Ehrentor hätte ich mir gewünscht.“ HSV-Coach Rudi Gutendorf lobt die „couragierte Spielweise“ des Gegners. Immerhin nehmen die Hildesheimer mehr als 10 000 Mark Taschengeld als Einnahmeanteil aus Hamburg mit. Und da waren die 100 Mark Taschengeld, die jeder Spieler für einen Reeperbahn-Bummel kassierte, schon abgezogen.

So spielten die Mannschaften am 15. Oktober 1977:
VfV Hildesheim: Reichel – Wieser, Vogt (67. Donath), Rennemann, Kaatz – Aubin, Schneider, Hesse, Sickfeld – Günther, Zellmer (67. Giese)

Hamburger SV: Kargus – Ripp, Nogly, Kaltz, Hidien – Memering, Keegan, Magath – Keller, Reimann, Steffenhagen; zweite Hälfte: Bertl und Karow

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